Was macht die Welt da eigentlich?
Gestern war mal wieder Zeit für Programmkino. Film, wo mir das Buch schon immer von einer Professorin empfohlen wurde. Da ich aber jedes Mal den Titel vergessen bzw. nicht mehr wusste, wo ich den hingeschrieben hatte, blieb das Buch bisher ungelesen. Jetzt werde ich es auf jedenfall lesen!
Also Film: Schmetterling und Taucherglocke. Nur zu empfehlen! Es geht um den Chefredakteur der Elle, der mit 42 Jahren einen Schlaganfall erleidet und ab da von Kopf bis Fuß gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann. Grundlage ist eben das Buch, welches er in der Zeit nach dem Schlaganfall geschrieben hat. Über sich, seine Gedanken, seine Gefühle mit dem, was mit ihm gerade passiert. Und das waren teilweise wirklich schlimme Sachen. Da wird ihm aufgrund einer Erkrankung des Auges einfach mal das Auge zugenäht. Er kann nicht mehr bestimmen, wann er wohin geht, er kann den Fernseher nicht selbstständig ein und aus machen, nicht telefonieren, nicht alleine essen (leidet unter anderem noch an einer Schluckstörung) usw. Er verständigt sich nur mit dem Lidschlag des einen noch gesunden Auges - einmal für ja, zweimal für nein, mehrmals für "ich möchte etwas sagen". Dazu hat die Logopädin ein Alphabet mitgebracht, welches ihm von dem Gegenüber langsam aufgesagt wird und er den Buchstaben mit einem Lidschlag auswählt. Das ist übrigens eine Form der unterstützten Kommunikation. Sehr selten mittlerweile, da in solchen Fällen eher versucht wird, die Menschen mit einem Talker zu versorgen, aber es ist immernoch eine Möglichkeit. Besonders bei so schweren Behinderungen. Eine langwierige Prozedur auf jedenfall. Dennoch hat er es geschafft eben mit dieser Methode ein ganzes Buch zu schreiben! Sehr erstaunlich. Aber auch erschreckend, wie manche Menschen dieses Kommunikationssystem für ihre Zwecke ausnutzen. Da ist zum Beispiel die Physiotherapeutin, die ihn mit in die Kirche nimmt und durch falsches Dolmetschen den Priester dazu bringt, ihm die heilige Kommunion zu spenden und auch noch dolmetscht, dass er liebend gern mit nach Lourdes fahren möchte (obwohl er total ungläubig ist und auf keinen fall dorthin möchte). Diese Wehrlosigkeit hat mich erschreckt und mich gestern sehr nachdenklich gemacht. Besonders im Hinblick darauf, dass ich teilweise auch mit ähnlichen Patienten arbeiten werde. Mir war bereits klar, dass man sehr vorsichtig mit ihnen umgehen muss und ihnen keinesfalls den eigenen Willen überstülpen sollte, aber was macht man eben bei solchen Patienten, die nicht sprechen und durch eine Ganzkörperlähmung nicht schreiben können? Ihnen muss man sozusagen erst ein Kommunikationssystem aufzwingen, damit sie sich darüber verständigen können, ob sie es überhaupt wollen oder nicht.
Viele Gedanken in meinem Kopf, über meinen Beruf, Zukunft, Gesundheit und Genießen.

1 Kommentar:
Ich lese das jetzt mal nicht, denn den Film will ich auch gucken. Und das scheint ja ein guter Plan zu sein! :)
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