2007-10-14

Faszination Sprache

Nachdem sich neuerdings unsere kleine Bloggerwelt mit dem Thema Sprache beschäftigt, ist ja eigentlich meine Zeit gekommen oder? Nachdem die Blogs der lieben Leute doch meist geprägt sind von aktuellen politische Themen und ich dazu meist eher einsilbige und weniger fundierte Meinungen habe, ist es toll endlich mal seinen Fachsenf dazugeben zu können.

Sprache ist was tolles. Ohne die wären wir doch eh alle aufgeschmissen. Könnten wir keine Blogs mehr schreiben, nicht mehr diskutieren, keine grandiosen Bücher mehr lesen und Lieder gäbe es auch nur als reine Melodie. Wäre ja irgendwie alles langweilig. Auch wenn wir sicherlich andere Wege der Kommunikation finden würden wie Zeichen etc. Aber selbst Zeichensysteme sind im Endeffekt auch nur Sprache. Und Spracherwerb an sich ist die faszinierendste Sache überhaupt. Wie ein kleines Kind schon im Säuglingsalter anfängt sich die sprachliche Welt einzuverleiben. Sei es anfangs erstmal rein auditiv. Aber auch das schreien und das schnell folgende Lallen sind Training für die Artikulationsmuskulatur. Neuste Forschungsergebnisse zeigen angeblich sogar, dass Kleinkinder schon prosodisch lallen. Das heißt also, dass sie beim lallen schon verschiedene Intonationsmuster verwenden, die man nachher in Wörtern wieder findet. Rausgefunden hat das der aktuelle Guru Zvi Penner aus der Schweiz. Sehr umstritten noch, aber teilweise erstaunliche Sachen dabei. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Durch meinen Praktikumsbericht und meine derzeitigen Patienten beschäftige ich mich ne MEnge mit dem Thema Schriftsracherwerb und den Problemen sprachentwicklungsgestörter Kinder damit. Selbst wenn man die früheren Probleme der Kinder (seien sie grammatischer Art, Artikulation oder ähnliches), tauchen diese Probleme häufig in der Schriftsprache wieder auf. Toll an der ganzen Sache ist einfach, dass man merkt, wie komplex der Mensch doch mal wieder aufgebaut ist. Normalerweise lernen wir Sprache und Schriftsprache relativ intuitiv. Rechtschreibregeln entwickeln wir im Laufe des Schreiblernprozesses ganz von alleine ohne dass sie uns wirklich jemand erklärt. Diese sind uns auch nicht bewusst. So zum Beispiel die Frage nach der Verwendung des Dehnungs-h. Wann schreibt man ein Dehnungs-h und wann nicht? Seit mal ehrlich und überlegt spontan, was ihr darauf anworten würdet. Ist es euch wirklich bewusst oder schreibt ihr einfach nur drauflos? So auch die Setzung des ie. Intuition? Gutes Aussehen oder einfach nur das hört sich lang an?

So findet sich eine Menge interessanter Themen in meinem Fachgebiet und noch nen Haufen Fragen, an denen man forschen kann! Deswegen geht es für mich nun wieder an die Bücher, auf dem Weg zur Wissenschaftlerin oder so ;-)

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