2007-04-23

Erziehung im Zeitalter der Aufklärung

So jetzt können sich hier alle mal das Best of meiner heutigen Lektüre anlesen....

"Man wende alle Sorgfalt auf eine gute körperliche Erziehung, besonders auf körperliche Abhärtung der Kinder. [...]Man bewahr die Jugend vor Einsamkeit und Müßiggang. Man lasse nicht die Kinder so frühzeitig zu BEtt gehn oder so spät aufstehen, daß sie vorher eine Zeitlang wachend im Bett liegen. Manche Eltern jagen ihre Kinder früh ins BEtt, um sie nur auf die Seite zu schaffen. Einige haben auch das Vorurteil, Kinder könnten nicht zuviel schlafen. [...] Bei Knaben wünschte ich, daß alle Eltern die Vorsicht gebrauchen, sie in dünnen leinenen Unterhosen schlafen zu lassen, und überhaupt Kindern früh abzugewöhnen, die Hände unter der Decke zu halten, so ist es ihnen nachher selbst unbequem und widerlich, sich bis an den Hals zuzudecken. [...] Man verhindere von früh an bei Knaben, daß sie sich nicht angewöhnen, die Hände in die Hosen zu halten. [...] Man leide nicht, daß Mädchen im Sitzen die Shcnekle übereinander schlagen. Man lasse nicht zwei kinder, sowenig von einerlei, als von verschiedenen Gesclecht, beisammenschlafen. Kann man überall nicht zu zwei Betten raten, so gebe man ihnen wenigstens Nachthosen. Dies verhindert beim An- und Auskleiden manche Neckerei und ist auch der Schamhaftigkeit gegen sich selbst förderlich. Man suche überhaupt, ihnen alles zu untersagen und sie von allem zu entfernen, wobei eine Reibung der Geschlechtsteile möglich ist. In dieser Absicht müssen auch bei Knaben die Beinkleider nicht zu eng sein. An Mädchen leide man es nicht, daß sie über scharfe Ecken hinhangen oder auf Händen und Füßen über alles hinwegkriechen oder, auf Schemeln reitend, herumhüpfen. [...] Man präge der Jugend früh die Regeln der Schamhjaftigkeit ein. [...] Man sorge für die Reinlichkeit der Kinder, und lasse sie daher im Sommer täglich baden, im Winter aber sich täglich durch Hilfe eines Schwammes die geheimen Teile mit kaltem Wasser waschen. Hierdurch wird man sowohl die der Jugend so nötige Abhärtung fördern, als auch einer von den oben angzeigten Veranlassungen zur Selbstschändung, dem durch gehäufte Unreinigkeiten an geheimen Orten entstehenden Kitzel, vorbeugen. [...] Hierdurch werden nicht nur die Geburstglieder gestärkte, sonder auch die Jünglinge vor unzüchtigen Träumen und unwillkürlichen nächtlichen Befleckungen, die Mädchen hingegen vor juckender Kitzelung, welche so oft eine Veranlassung zur Selbstschändung wird, bewahrt werden. [...] Alle die höchstschädlichen und unbesonnen Tändeleien mit Kindern beiderlei Geschlechts, wodurch man ihnen Anleitung gibt, Braut und Bräutigam oder Mann und Frau zu spielen, müssen durchaus vermieden werden."

Oest J.;Campe, J.H.: Vollständiges System zur Verhütung der Selbstschwächung (1787). In: Rutschky, K. (Hrsg.): Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung. Frankfurt/Main 1977. S. 304-314

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